Schlagabtausch Heidelberg

Der BDSM- und Fetisch-Stammtisch in Heidelberg

SM-Diplomarbeit

Nach der medizinischen Klassifikation F 65.5 wird Sadomasochismus in Deutschland immer noch als psychische Störung gesehen und damit auch eine Behandlungsbedürftigkeit der Betroffenen von ärztlicher bzw. psychiatrischer Seite unterstellt. Der ICD-10-Standard in den USA hat da in neuerer Zeit schon ein Umdenken erfahren und - um das wesentliche Ergebnis der Diplomarbeit vorwegzunehmen - der Erkenntnis Rechnung getragen, daß wir uns in psychischer Hinsicht wenig von dem Durchschnitt der Bevölkerung unterscheiden.

Wir sind also ähnlich selten oder häufig aggressiv, verhaltensgestört oder psychisch labil wie andere auch. Unsere Neugier nach neuen Erfahrungen ist manchmal stärker ausgeprägt (Fachbegriff: Sensation Seeking), selten auch der Wunsch nach Selbstdarstellung. Wir scheuen uns weniger, auch mal Unterstützung von Psychologen in Anspruch zu nehmen, was ja für sich genommen kein negativer Tatbestand zu sein braucht. In Bezug auf Mißbrauchserfahrungen in der Kindheit, anitsozialem und damit gesellschaftlich unerwünschtem Verhalten, Egoismus/Narzissmus und anderen Persönlichkeitseigenschaften ergaben sich auch im Vergleich zur Gesamtbevölkerung keine klar erkennbaren Abweichungen.

Als Fazit könnte man folgern: Wir sind "normaler" als wir es selbst von uns glauben und wie insbesondere der unbedarfte Otto Normalverbraucher uns oft sieht. Daß wir teilweise einen anderen Lebensstil pflegen oder unsere Sexualität anders leben als ein wie auch immer gearteter statistischer Durchschnitt unterscheidet uns nicht von anderen abgrenzbaren Teilgruppen der deutschen Bevölkerung.

Diese grob dargestellten Kernaussagen haben unsere beiden Diplom-Psychologen Eva und Axel aufgrund einer Befragung von 1129 SMlern gewonnen und einer Vergleichsgruppe Stinos gegenübergestellt. Der Umfang der Befragten war also relativ groß und wenn auch keine absolut repräsentative Aussagen gemacht werden konnten, spricht die Zahl der Befragten und der Umfang des erhobenen Zahlenmaterials für sich.

Beide Referenten waren von der Thematik (nun doch der Titel der Arbeit:

Empirische Untersuchung über den Zusammenhang zwischen ausgewählten Faktoren und inkriminierendem sexuellem Sadomasochismus) so angesprochen, daß sie die Absicht haben, in weiteren wissenschaftlichen Arbeiten weiter ins Detail zu gehen. Wir dürfen also gespannt sein, was uns in da an Erkenntnissen noch auf den Tisch kommen wird.

über unsere Homepage können sich Interessenten für künftige Informationen vormerken lassen.

Es schloß sich eine lebhafte Diskussion unter den Zuhörern an und z.B. Fragen wie die folgenden wurden aufgeworfen:

Axel und Eva beantworteten die Fragen geduldig und schilderten auch ihre Eindrücke, mit einer bislang für sie fremden Welt konfrontiert worden zu sein. Wir danken beiden für ihre Auskunftsbereitschaft und für einen Abend voll interessanter Informationen.

Die gesamte Diplomarbeit ist per PDF-Datei auf unserer Homepage hinterlegt und damit zugänglich. In einer der nächsten Ausgaben der Schlagzeilen wird außerdem ein Artikel über diese Arbeit und deren Aussagen zu lesen sein.

Der Themenabend fand am 08.07.2005 statt.

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