Schlagabtausch Heidelberg

Der BDSM- und Fetisch-Stammtisch in Heidelberg


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SM und Sicherheit: Cutting und Nadeln

1. Allgemeine Informationen

Das Spiel mit dem Blut, das Schneiden geliebter Haut ist eine der intensivsten SM-Praktiken überhaupt. Man sollte sich vorher klar machen, daß die psychische Komponente des Schneidens oder Piercens meist viel gewichtiger ist, als die Verletzung an sich. Man sollte sich also sehr viel Zeit lassen und mit dem Partner reden, bevor man letztendlich zur Sache geht. Viele Menschen haben eine regelrechte Phobie vorm Schneiden, anderen Fallen beim bloßen Anblick einer Nadel in Ohnmacht. Solche Spiele macht man also nicht zwischen Tür und Angel, sondern man setzt sich vorher gemeinsam damit auseinander. Die emotionale Nähe zwischen Top und Bottom ist bei diesen Spielpraktiken sehr wichtig!
Des weiteren möchte ich hier noch mal an das Thema Drogen erinnern. Bei Schneiden und Piercen sind Drogen absolutes Tabu, da ein hohes Maß an Konzentration und Sicherheit verlangt wird.

1.1. Hygiene

Bevor man anfängt, sollte man sich klar machen, daß jede Verletzung der Haut ein Infektionsrisiko darstellt. Nicht nur AIDS, sondern auch Krankheiten wie Hepatitis stellen eine nicht unwesentliche Gefahr bei Spielen, in denen Blut vorkommt, dar. Deswegen ist Hygiene hier oberstes Gebot!
Hier einige der wichtigsten Punkte, die zu beachten sind:


1.2. Instrumente

Instrumente, die während eines solchen Spieles verwendet werden, müssen, soweit wie möglich, steril sein. Am besten ist es, wenn man Einwegprodukte verwendet, da man selbst Instrumente kaum sterilisieren kann (es besteht ein Unterschied zwischen desinfizieren und sterilisieren!).
Nadeln und Skalpelle sollten nach jedem Gebrauch entsorgt werden, da sie sehr schnell stumpf werden und dann keine sauberen Schnitte mehr machen, sondern das Gewebe eher zerreißen, was zu unsauberen Schnitten oder Blutungen im Gewebe führen kann.

Skalpelle:

Einmalskalpelle gibt es in der Apotheke und hervorragend geeignet. Es gibt sie auch mit metallenem Griff und auswechselbaren, sterilen Klingen. Beides (also Einwegskalpell oder Klinge) sollte nach Gebrauch entsorgt werden, da die Gefahr sonst zu groß ist, daß das Messer stumpf wird. Außerdem sind verwendete Klingen unsteril und ein Infektionsrisiko.

[Bild: Skalpell]

Nadeln:

Am besten sind hier Einwegkanülen aus der Apotheke geeignet, da diese sehr spitz und steril sind. Eine weitere Möglichkeit stellen sterile Akupunkturnadeln dar, die sich besonders für senkrechte Stiche in die Haut eignen, da den Packungen normalerweise ein Aplikator beiliegt, der verhindert, daß man zu tief sticht. Außerdem sind Akupunkturnadeln so biegsam, daß man kaum tiefer als einen halben Zentimeter mit ihnen stechen kann.
Nach dem Gebrauch sollten die Nadeln sorgfältig entsorgt werden, damit sich niemand an ihnen sticht (Infektionsrisiko!). Kanülen packt man am besten wieder in die Kunststoffhülle.

[Bild: Nadel]

1.3. Vorgehensweise

Bevor man anfängt, sollte man sicherstellen, daß man folgende Dinge für den Notfall parat hält:



2. Nadeln und Piercing

Eines vorneweg: dauerhafte Piercings sind etwas für den Profi (Studio oder besser noch Arzt). Zu viel kann schiefgehen, als daß man sich als Anfänger daran wagen sollte!
Temporäre Piercings macht man mit sterilen Nadeln aus der Apotheke. Hierzu eignen sich Kanülen und Akupunkturnadeln aus der Apotheke (gibt es beide in verschiedenen Längen und Stärken).
Am besten ist es, wenn man die Haut durchsticht, also den Stich horizontal ansetzt. Jeder Stich stellt einen "Infektionskanal" in den Körper dar. Die Infektionsgefahr ist bei horizontalen Stichen geringer als bei senkrechten Stichen ins Gewebe. Man kann sich mit der freien Hand eine kleine Hautfalte greifen und dann mit der anderen Hand die Haut durchstechen. Beim Austreten der Nadel muß der Top vorsichtig sein, damit er sich nicht aus versehen selbst verletzt (Infektionsrisiko!).
Wenn man die Nadel in das Gewebe sticht, sollte man auf keinen Fall tiefer als einen Zentimeter stechen, da sonst ernsthaftere Verletzungen vorkommen können.


3. Schneiden (Cutting)

[Bild: Cutting von Thomas] Bevor man sich an das Schneiden heranwagt, muß man wissen, daß jeder auch noch so kleine Schnitt zur Narbenbildung führen kann. Deshalb sollte man vorher abklären, ob der Bottom zur Narbenbildung neigt. Am besten, man macht beim ersten Mal einen kleinen Testschnitt (an einer unauffälligen Stelle), den man in Ruhe verheilen läßt und dabei beobachtet, ob dieser Schnitt eine Narbe hinterläßt. Nicht jeder Bottom möchte bis an sein Lebensende gezeichnet sein!
Des weiteren Muß vorher unbedingt abgeklärt werden, ob der Bottom an der Bluterkrankheit (verringerte Blutgerinnung) leidet. Schneidespiele mit Blutern sind absolutes Tabu, da das medizinische Risiko viel zu hoch ist.

3.1. Das Schneidwerkzeug

Am besten verwendet man Einwegskalpelle, die man relativ günstig in der Apotheke erhält. Rasierklingen (unbedingt desinfizieren!) und Kanülen eignen sich ebenfalls zum Schneiden. Die meisten Messer, mögen sie auch noch so scharf anmuten, sing ungeeignet, weil sie zu unscharf sind. Unscharfe Messer erzeugen unsaubere Schnitte, die schlecht heilen, da sie das Gewebe eher reißen als schneiden.
Wie bereits oben erwähnt, muß das Schneidwerkzeug steril oder zumindest sehr gut desinfiziert sein. Wer nicht auf sein eigenes Messer verzichten möchte, kann das Messer vor jedem Gebrauch für ca. 30 Minuten in den Dampfkochtopf legen. Das desinfiziert immer noch besser als Desinfektionsmittel oder Alkohol. Außerdem sollte man immer sicherstellen, daß das Messer auch wirklich scharf ist.

3.2. Wo und wie schneiden?

Folgende Stellen sind relativ ungefährlich für Schneidespiele:


Von diesen Stellen ist unbedingt Abstand zu nehmen::


Die Brust ist nur bedingt für Schneidespiele geeignet. Ein Abrutscher kann hier zu lebensbedrohlichen Verletzungen führen, weshalb man lieber die Finger davon läßt.
Bevor man sich an einen Menschen wagt, sollte man den Umgang mit seinen Werkzeugen üben. Erst wenn man deren Handhabung sicher beherrscht, sollte man sich an die Haut des Bottom wagen. Ich habe meine ersten Gehversuche an Obst gemacht, da man hier sehr schön sehen kann, wie tief man schneidet.
Bevor man mit dem Schneiden anfängt, sollte man zunächst sicherstellen, daß genügend Licht vorhanden ist. Ein Cutting im Dämmerlicht ist gefährlich, da man 1. nicht genau erkennen kann, wo man schneidet und 2. die Schnitte schlecht beobachten kann. Außerdem muß man sich beim Cutten Zeit lassen. Wie bereits oben erwähnt, ist das Schneiden ein tiefer Eingriff, der eher psychische als körperliche Auswirkungen hat. Ein Cutting macht man nicht im Vorübergehen!
Das Messer sollte man beim Schneiden wie einen Stift halten, um eine sichere Führung zu gewährleisten. Ein Halten in der geballten Faust ist ungeeignet, da man zu wenig Kontrolle über das Messer hat und dem Bottom zu schnell ungewollte Verletzungen zufügen kann. Oberflächliche Schnitte sollten nicht länger als 5 cm lang sein. Tiefere Schnitte (bis maximal 2mm) sollten jedoch nicht länger als 1 cm sein, da die Wunde sonst vielleicht genäht werden muß.
Der erste Schnitt sollte nicht allzu lang und allzu tief sein. Danach ca. 30 Sekunden warten und beobachten, wie die Wunde reagiert (Wie stark blutet sie? Wie reagiert der Bottom auf den Schnitt?). Es ist überhaupt sehr wichtig die Nähe zum Bottom herzustellen und ihn während des Schneidens genau zu beobachten. Wenn Ihr mit dem Cutting fertig seid, sollte die Stelle noch mal desinfiziert oder mit Braunovidonsalbe eingerieben werden, um eine Infektion zu verhindern. Braunovidon eignet sich, neben Bepanthensalbe, auch zur Wundnachsorge. Wenn die Wunde tief ist und stärker blutet, sollte sie mit einem sterilen Verband abgeklebt werden.
Bevor Ihr anfangt, empfehle ich Euch, meine Tips zur Ersten Hilfe durchzulesen!

Tips:




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