Schlagabtausch Heidelberg

Der BDSM- und Fetisch-Stammtisch in Heidelberg


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SM und Sicherheit: Schlagen

1. Grundlagen:

1.1. Jeder Bottom ist anders!

Es gibt viele Motivationen sich schlagen zu lassen. Der eine Bottom genießt einfach den Schmerz (Endorphinrausch), dem anderen gefällt es eher sich schlagen zu lassen, weil es dem Top sehr gefällt. Dem Dritten geht es um den mentalen Kick des "Sich-schlagen-lassens". Meistens ist es eine Mischung aus mehreren Beweggründen.
Schläge haben nicht nur unterschiedliche Motivationen, sondern auch verschiedene psychische Auswirkungen, die man nicht unterschätzen darf. Man sollte vor dem ersten Spiel mit einem unbekannten Bottom darüber reden und sich Gedanken dazu machen. Es gibt viele Bottoms, die mit manchen Schlägen, z.B. Schläge auf den Hintern, (versteckte) psychische Probleme haben. Eine Ursache dafür können z.B. Kindheitserinnerungen an Schläge von den Eltern oder an eine Vergewaltigung etc. sein. Also: Erst Reden und Gedanken machen und nicht einfach drauflos spielen!
Es kann natürlich vorkommen, daß sich der Bottom selbst nicht über diese Probleme bewußt ist. Sollte es einmal zu einem Absturz kommen: Spiel beenden, Bottom in die Arme nehmen und ihn trösten und sich um ihn kümmern. Nach dem Spiel darüber reden und das Thema nicht einfach totschweigen. Ein Absturz kann jedem, auch dem erfahrensten Top oder Bottom, passieren. Wichtig ist nur, daß man daraus lernt und darüber spricht, damit es beim nächsten Mal besser läuft.

Abgesehen davon, daß es verschiedene Motivationen gibt sich schlagen zu lassen, sind auch die körperlichen Voraussetzungen von Bottom zu Bottom unterschiedlich. Was Bottom A gefällt und ihm pure Geilheit beschert, kann für Bottom B einfach nur unangenehm oder schrecklich sein.
Aber auch der gleiche Bottom verträgt nicht immer gleich viel. Das hängt sehr von seiner "Tagesform" ab.
Wie schon gesagt: Kommunikation vor dem Spiel ist sehr wichtig. Ein guter Top stellt sich auf seinen Bottom ein. Siehe dazu auch: vor dem Spiel!

1.2. Aufwärmen:

Viele Bottoms genießen den "Endorphinrausch", wenn man ihnen Schmerzen zufügt. Endorphin ist ein körpereigenes Opiat, welches die Schmerztoleranz erhöht und zu rauschähnlichen Zuständen (Highs) führen kann (Endorphin ist übrigens das gleiche Hormon, welches bei extremen sportlichen Belastungen ausgeschüttet wird -> Die Olympioniken im antiken Griechenland waren also sowas wie die ersten Endorphinabhängigen :-) ).
Für das Spiel sollte man wissen, daß der Körper einige Zeit braucht, bis er Endorphin ausschüttet. Dies dauert etwa 20-30 Minuten, kann aber von Bottom zu Bottom variieren. Diese Anfangsphase ist also sehr wichtig für den Bottom. Man sollte langsam beginnen, dem Bottom eine Aufwärmphase gönnen. Wenn diese Zeit schön verläuft, steht einer schönen Session nichts mehr im Wege.
Daneben sorgt Aufwärmen (am besten mit großflächig wirkenden Schlaginstrumenten) für eine stärkere Durchblutung und Lockerung der betroffenen Körperstellen, was das Verletzungsrisiko verringert. Außerdem hinterlassen Schlaginstrumente an einem aufgewärmten Körper deutlich weniger Spuren. (Tip: wem Striemen gefallen, sollte diese eher auf einem unaufgewärmten Körper erzeugen)
Der wichtigste Grund aber ist, daß es einfach Spaß macht sich Zeit zu lassen. Spiele mit Deinem Bottom, bereite ihn langsam auf die Session vor. Wechsle immer wieder zwischen leichten Schlägen und Streicheln und ihr habt die Basis, um einige unvergeßliche Stunden zu erleben.

2. Wohin schlagen und wohin nicht?

Grundsätzlich ist jeder Bereich geeignet, der von Muskeln und einer mehr oder minder dicken Fettschicht geschützt ist. Hier bieten sich besonders Hintern und Oberschenkel an, wobei die Haut an den Oberschenkeln empfindlicher ist (besonders an den Innenseiten). Es gilt die Faustregel: Je dicker ein Bereich durch Muskeln oder Fettgewebe geschützt ist, um so fester dürfen die Schläge sein.
Vorsicht ist bei den Bereichen geboten, die nur wenig geschützt sind. Wenn Knochen nur durch eine dünne Muskel- oder Fettschicht geschützt sind, nicht mit harten, schweren Gegenständen schlagen.
Folgende Bereiche dürfen nicht geschlagen werden (siehe auch Zeichnungen weiter unten!):



Vorderseite

Auf keinen Fall Schläge auf:

  • Kopf (außer Wangen)
  • Hals
  • Nierengegend
  • Gelenke (Ellenbogen, Handgelenke, Knie und Fesseln)
  • Schienbein

vorsichtige, leichte Schläge mit weichen und/oder großflächig wirkenden Schlaginstrumenten auf:

  • Wangen (Kopf von der anderen Seite festhalten, sonst besteht die Gefahr eines Schleudertraumas oder eines ausgerenkten Kiefers!)
  • Brust (Vorsicht besonders bei Frauen -> Blaue Flecken können zu Knoten führen und die Brustkrebsgefahr erhöhen! Auf keinen Fall Schläge auf Brustimplantate (z.B. aus Silikon)!)
  • Bauch (Vorsicht wegen der Organe)
  • Intimbereich (Vorsicht besonders bei Männern -> Verletzungsgefahr der Hoden, diese immer frei hängen lassen, wenn man leicht auf sie schlägt!)
  • Unterarme (nicht auf die Beuge des Handgelenkes!)
  • Hände und Füße

festere Schläge auf:
  • Oberarme
  • Oberschenkel
[Bild: Körper vorne]


Rückseite

Auf keinen Fall Schläge auf:

  • Kopf
  • Nacken
  • Lenden (Nierengegend)
  • Gelenke (Ellenbogen, Handgelenke, Knie und Fesseln)
  • keine vertikalen Schläge auf die Wirbelsäule

vorsichtige, leichte Schläge mit weichen, großflächig wirkenden Schlaginstrumenten auf:

  • Schultern
  • Rücken (nicht direkt auf die Wirbelsäule!)
  • Unterarme (nicht auf die Beuge des Handgelenkes -> Nerven und Blutgefäße können sonst verletzt werden!)
  • Hände
  • Füße

festere Schläge auf:

  • Rücken (Bereich, der von den Rippen geschützt ist und Schulterblätter)
  • Hintern
  • Ober- und Unterschenkel
[Bild: Körper hinten]

3. Schlaginstrumente

Jedes Schlaginstrument hat eine unterschiedliche Wirkung, die man vor dem Anwenden an einem anderen Menschen an sich selbst ausprobieren sollte. Am besten läßt man sich vorher die Wirkung und Handhabung von einem erfahrenen Top erklären und zeigen und übt dann an Kissen, Betten oder anderen geeigneten Gegenständen, bevor man sich damit an jemanden wagt. Ein guter Top weiß, was er macht und weiß mit seinen Geräten umzugehen.
Prinzipiell gibt es schier unendliche viele Gegenstände, die man zum Schlagen verwenden kann. Ich habe mich hier jedoch auf die gängigsten beschränkt.

3.1. Die Hand:

Das Schlagen mit der Hand wird auch Spanking genannt. Die Hände dürften wohl das am meisten eingesetzte Schlaginstrument sein. Hände sind sehr flexibel: sie können streicheln, liebkosen, tätscheln oder richtig "grausame" Waffen sein. Man kann den Handteller, die Finger, die Knöchel oder die Handkanten einsetzen.
Das Schlagen mit den Händen ist besonders für Einsteiger geeignet, da man selbst die Heftigkeit des Schlages spürt. Außerdem ist die Nähe zum Bottom bei keinem anderen Schlaginstument so groß, wie bei Schlägen mit der Hand.

3.2. Paddles:

Paddles sind großflächige Schlaginstumente aus Holz oder Leder. Es gibt Ausführungen mit Löchern, die durch den verringerte Luftwiderstand stärker wirken.
Durch die großflächige, eher harmlose Wirkung eignen sie sich hervorragend zum Aufwärmen bei Schlagspielen.
Ähnlich wirken: Teppichklopfer (wie ein HolzPaddle mit Löchern) und Tischtennisschläger

3.3. Tawse:

Zwei zusammengenähte Lederstücke. Ca. 30 cm lang und 5 cm breit. Ist meistens vorne eingeschnitten, was zwei "Finger" ergibt. Außerdem können sie am vorderen Ende unvernäht sein, was dafür sorgt, daß zwei Lederstücke auftreffen (soll die Wirkung verstärken).
Die Tawse wirkt beitflächig und ist daher, neben Paddles und der Hand, gut zum Aufwärmen.

3.4. Reitgerten:

3.4.1. Springgerte:

Man erkennt sie am typischen Lederlappen (Patsche) am Ende.
Ihre Wirkung hängt hauptsächlich von der Flexibilität der Gerte und der Festigkeit des Lederlappens ab.
Springgerte eignen sich besonders für Anfänger, da man den Umgang mit ihnen relativ schnell erlernen kann. Außerdem kann man mit ihnen sehr plaziert schlagen.

3.4.2. Dressurgerte:

Sie sind länger und dünner als die Springgerten. Charakteristisch ist die dünne Schnur am Ende.
Dessurgerte wirken deutlich heftiger und sind etwas schwerer handzuhaben. Anfänger sollte daher erst mal die Finger von ihnen lassen.

3.5. Flogger (auch Katze):

Flogger sind mehrsträngige Peitschen, meistens aus Leder. Es gibt jedoch auch Ausführungen aus Gummi (ziehen deutlich Stärker!).
Ihre Wirkung ist sehr unterschiedlich und hängt von folgende Faktoren ab: Stärke, Härte und Anzahl der Riemen. Knoten verstärken die Wirkung eines Floggers.
Anfänger sollten langsam lernen damit umzugehen und sich, wie immer, Zeit lassen, um ihre Wirkung zu erkunden.

3.6. Rohrstöcke:

Rohrstöcke sollte man nur aus Rattan kaufen. Stöcke aus Bambus können schnell splittern und Schnittverletzungen verursachen. Außerdem können sich Fasern abspalten und Splisse in der Haut hinterlassen -> Finger davon lassen.
Rohrstöcke wirken sehr heftig und sind nicht Jedermanns Sache. Ihre Wirkung hängt von folgenden Faktoren ab: Stärke (dünne wirken heftiger und erzeugen einen eher stechenden Schmerz, dicke erzeugen eher einen dumpfen Schmerz) und Gewicht (Rohrstöcke lassen sich gut wässern und werden dadurch wesentlich schwerer und heftiger).

[Bild: Bullenpeitsche] Einschwänzige Peitschen, die je nach Herkunft, Länge und Qualität unterschiedliche Namen haben.
Wirken durch "schnalzen" besonders heftig (Achtung, das Knallen einer solchen Peitsche kommt daher, daß das Ende schneller als der Schall wird und dadurch die "Schallmauer" durchbricht).
Die Peitschen sind sehr gefährlich und schwer zu handhaben. Anfänger sollten deshalb tunlichst die Finger davon lassen!


4. Schlußwort:

Es gibt soviel über das Schlagen zu sagen, daß es sicherlich diesen Rahmen sprengen würde. Auch hier gilt: Die Theorie kann nicht die Praxis ersetzen. Es gibt zwar eine Reihe guter Sicherheitshandbücher (von Grimme und Califa), aber auch diese können nicht das wiederholte Üben und die Tips und Tricks von erfahrenen SMlern ersetzen.
Schlagen lernt man nicht aus dem Buch (oder aus diesem Text), man läßt es sich zeigen und übt dann selbst (an Kissen, Sträuchern usw.), bis man seine Schlaginstrumente wirklich beherrscht.


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