Schlagabtausch Heidelberg

Der BDSM- und Fetisch-Stammtisch in Heidelberg


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SM und Sicherheit: Bondage

1. Nerven, Sehnen und Blutgefäße:

Bei Fesselspielen sollte man generell vorsichtig mit Stellen sein, an denen Nervenbahnen, Sehnen oder Blutgefäße (Arterien oder Venen) unter der Hautoberfläche liegen. Besonders gefährdet sind hier die Innenseiten (Beugen) von Gelenken (Handgelenke, Ellenbogen, Knie und Fesseln).
Es gilt folgende Faustregel: je starrer das Fesselungsmaterial ist, um so lockerer sollte es sitzen, damit es nicht auf Nerven oder Blutgefäße drückt. Handfesseln aus Metall dürfen also z.B. nicht so fest angelegt werden, wie lederne. Außerdem sollte der Druck auf eine möglichst große Fläche verteilt werden (bei Seilen z.B. durch mehrere Wicklungen).
Zu heftiger oder zu langer Druck auf die genannten Stellen kann zu Schädigungen an den Nerven oder zu einem Blutstau in den betroffenen Extremitäten führen. Diese äußern sich durch Kälte (kann soweit gehen, daß die Hände blau anlaufen) oder taubes Gefühl in den Gliedmaßen. Der Top sollte deshalb immer wieder die Gliedmaßen des Bottom kontrollieren, um solche gefährlichen Nebenwirkungen (Thrombosegefahr!) zu vermeiden.
Sollte dieser Fall dennoch eintreten, so ist die Fesselung zu entfernen. Der betreffende Körperteil sollte massiert werden. Stellt sich nach 1,2 Tagen keine Besserung ein, sollte ein Arzt konsultiert werden.

2. Belastung:

Vorsicht ist bei komplexeren Fixierungen geboten. Dabei sollte man darauf achten, daß nicht nur ein Körperteil belastet wird (z.B. die Arme), sondern die Belastung auf mehrere Körperteile verteilt wird. Im Extremfall (z.B. bei Aufhängungen oder Fesselungen der Handgelenke über den Kopf) kann es sonst zu Muskelfaserrissen oder gar Gelenkbrüchen kommen, falls der Bottom z.B. ohnmächtig wird und sich fallen läßt.

3. Aufsicht über Gefesselte:

Jemanden, der hilflos gefesselt ist, darf man nicht alleine lassen. Besonders gilt dies, wenn der Betroffene geknebelt ist und sich nicht äußern kann.
Zu viele ungeplante Dinge können passieren. Von eher unwahrscheinlichen Dingen, wie Wohnungsbrand oder Einbruch, einmal abgesehen, kann jeder einmal ohnmächtig werden oder Kreislaufprobleme bekommen.
Vorsicht ist geboten, wenn der Bottom mit dem Gesicht nach unten gefesselt wird (z.B. auf dem Bett). Hier kann die freie Atmung gefährdet werden, weshalb der Top hier besonders auf den Bottom achten muß.
Der Top muß außerdem darauf achten, daß der Bottom sicher fallen kann, falls er ohnmächtig wird. Wenn der Bottom z.B. an einem Deckenhaken fixiert wird, ist ein Panikhaken empfehlenswert, da er auch unter Belastung ein Lösen der Fesselung ermöglicht.

4. Lösen von Fesselungen:

Man sollte sich vorher überlegen, wie man die Fesselung wieder lösen kann. Deshalb sollte man einfach lösbare Knoten verwenden. Außerdem sollten Schere (am bestem eine aus dem Verbandskasten, damit man nicht in die Haut schneidet), Ersatzschlüssel für Schlösser oder Handschellen, sowie ein Bolzenschneider (falls man Ketten benutzt) immer bereit liegen, um eine schnelle Entfesselung im Notfall zu gewährleisten.
Tip: Klemmenden Schlössern kann man mit etwas Graphit (zur Not vom Bleistift) nachhelfen. Abgebrochene Handschellenschlüssel kann man versuchsweise mit einem Magneten entfernen, etwas Graphit darauf geben und vorsichtig mit einem Ersatzschlüssel öffnen. Das erspart vielleicht den Schlüsseldienst :-). Das Spielzeug sollte danach nicht mehr verwendet und ersetzt werden.

5. Selbstfesselungen (Selfbondage)

Selbstfesselungen können eine sehr interessante Erfahrung sein. Tops können an sich selbst experimentieren, bevor sie sich mit einer neuen Fesselung an ihren Bottom wagen. Folgende Sicherheitspunkte sollten jedoch berücksichtigt werden:



6. Zusammenfassung:

  1. Jemanden, der gefesselt ist, darf man nicht alleine lassen.

  2. Niemanden an nur einem Körperglied aufhängen (Schulterausrenkungen sind sonst vorprogrammiert!).

  3. Nicht von vorne um den Hals fesseln (siehe Gefahr des CSR im Lexikon).

  4. Darauf achten, daß keine Gefäße dauerhaft eingequetscht sind.

  5. Safewort zum Abbruch der Fesselung vereinbaren.

  6. Überprüfen, ob man die Fesselung in Notfall schnell lösen kann (liegen Schere, Schlüssel etc. in Reichweite?)

Vorsicht ist bei Bottoms, die an Klaustrophobie leiden, geboten! Vorsichtig anfangen und langsam steigern und die Reaktionen des Bottom sehr genau beobachten!


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